Simbabwe

Simbabwe: Rückschläge beim Engagement für Millenniumsziele

Die katastrophalen Folgen der wirtschaftlichen und sozialen Krise Simbabwes, die von unabhängigen Institutionen schon länger diagnostiziert wurden, sind nun auch von der Regierung des Landes offiziell anerkannt worden. In einer Untersuchung des "Public Service and Social Welfare Ministry" wird festgestellt, dass sich der Lebensstandard der Bevölkerung Simbabwes innerhalb der letzten zehn Jahre um 150% vermindert hat. Mehr als 63% der ländlichen Bevölkerung habe kein ausreichendes Einkommen, um sich das Lebensnotwendigste leisten zu können. In den Städten betrage dieser Anteil 53%. Besonders stark verschlechtert hat sich nach dem Bericht die Situation der Haushalte, die allein von einer Frau geleitet werden. Die Arbeitslosigkeit hat eine Rate von 70% erreicht, die Inflation liegt bei etwa 1.000%, der höchste Wert auf der Welt. Eine Konsequenz der Wirtschaftskrise ist, dass sich die Mangel- und Unterernährung von Kleinkindern in den letzten zehn Jahren um 35% erhöht hat. Demgegenüber gibt es auch einige positive Entwicklungen. Der Anteil der Menschen, die Zugang zu sauberem Wasser haben, hat sich nach offiziellen Angaben um 25% erhöht, und der Zugang zur Gesundheitsversorgung hat sich sogar um 48% verbessert. Einschränkend muss zur letzten Zahl allerdings gesagt werden, dass die Kosten für Behandlungen so stark gestiegen sind, dass viele Kranke sie sich nicht leisten können. Aus dem gleichen Grund bringen 30% aller Frauen ihre Kinder zu Hause zur Welt, was mit erheblichen Gesundheitsrisiken für Mutter und Kind verbunden ist.
Weitere Informationen finden Sie unter:http://www.irinnews.org/report.asp?ReportID=56641

Bildungskrise in Simbabwe

Simbabwes Bildungswesen hat in den letzten Jahren einen deutlichen Niedergang erlebt. Zu diesem Ergebnis kam Ende Juni 2006 der Parlamentsausschuss "Portfolio Committee on Education" nach dem Besuch verschiedener höherer Bildungseinrichtungen. Ein Grund für die Krise ist, dass Studiengebühren, Unterkunftskosten sowie andere Kosten für Studierende sich vervielfacht haben und jetzt umgerechnet 2.000 US-Dollar pro Semester betragen. Die Stipendien sind aber bei umgerechnet 130 Dollar pro Semester geblieben. Auch die meisten Eltern können den Studierenden kaum unterstützen, verdient ein durchschnittlicher Arbeiter doch lediglich 150 Dollar im Monat. Die Arbeitslosigkeit liegt bei über 90%, und die Inflationsrate hat 1.200% im Jahr erreicht. Immer mehr Studierende müssen die Universitäten, Hochschulen und anderen Bildungseinrichtungen verlassen. Manche Studenten greifen zu kriminellen Mitteln, um ihre Bildung zu finanzieren, und manchen Studentinnen bleibt nur die Prostitution. Gleichzeitig sinkt die Qualität der Bildungsangebote, weil Geld für die Anstellung neuer Lehrkräfte fehlt, die vorhandenen Lehrkräfte nur mit großen Verzögerungen ihre Gehälter erhalten und die Bibliotheken keine neuen Bücher beschaffen können.
Weitere Informationen unter:http://www.irinnews.org/report.asp?ReportID=54314

Simbabwes Regierung wehrt sich gegen LDC Status

Angesichts des ökonomischen Niedergangs Simbabwes hat der für diese Fragen zuständige UN-Ausschuss "Committee for Development Policy" vorgeschlagen, Simbabwe in die Gruppe der "Least Developed Countries" (LDCs) aufzunehmen. Wie die Nachrichtenagentur "Inter Press Service" am 13. Juni 2006 berichtete, wird diese "Abwertung" aber von der Regierung Simbabwes abgelehnt. Ohne eine Zustimmung der jeweiligen Regierung ist die Einordnung eines Landes in die LDC-Liste nicht möglich. Eine solche Einordnung würde von der simbabweschen Regierung offenbar als Eingeständnis ihres Scheiterns angesehen. Simbabwe kommt damit nicht in den Genuss von Vorzügen, die Ländern mit LDC-Status international eingeräumt werden, so die Möglichkeit des zoll- und quotenfreien Zugangs für zahlreiche Exportgüter zu internationalen Märkten sowie eine bevorzugte Behandlung bei der Vergabe von Entwicklungsgeldern. In den 1970er Jahren gab es 22 LDCs, inzwischen sind es 50. Darunter sind 34 afrikanische Staaten. Bisher hat nur ein einziges Land den LDC-Status wieder aufgegeben, das rohstoffreiche Botswana. Vier Staaten sind gegenwärtig auf dem Weg, den "least developed"-Status hinter sich zu lassen. In Afrika gehört lediglich das ölreiche Äquatorialguinea in diese Gruppe. Dass Simbabwe in die LDC-Liste aufgenommen werden soll, erklärt sich u.a. aus einer Inflationsrate von etwa 1.000%, sehr hohen Arbeitslosigkeits- und Armutswerten und der Mangelernährung größerer Teile der Bevölkerung, darunter viele Kinder.


Simbabwes Gesundheitswesen in der Krise

Die simbabwesche Tageszeitung "The Herald" berichtete am 12. Juni 2006, dass vier Distriktkrankenhäuser in der Region Masvingo seit mehreren Monaten über keinen Arzt mehr verfügten, obwohl sie Referenzkrankenhäuser für jeweils etwa 160.000 Menschen sind. Auch in anderen Krankenhäusern des Landes gebe es einen akuten Mangel an Ärzten und anderem medizinischen Fachpersonal. Der simbabwesche Gesundheitsminister Dr. Parirenyatwa verwies gegenüber der Zeitung darauf, dass das Land jedes Jahr 110 Ärzte ausbilde, aber viele von ihnen ins Ausland gingen. Die Regierung werde die Arbeitsbedingungen und Gehälter der Ärzte überprüfen. Gleichzeitig sollen neu ausgebildete Ärzte verpflichtet werden, mindestens drei Jahre im eigenen Land zu arbeiten. Simbabwe ist eines der Länder, die am stärksten von der Abwanderung von Ärzten in westliche Industriestaaten betroffen sind. Der Mangel an Ärzten, anderem Fachpersonal sowie finanziellen Ressourcen wirkt sich auch auf die Bekämpfung der Cholera-Epidemie aus, berichtete am 22. Mai 2006 der UN-Informationsdienst IRINnews. Es fehlt nach Angaben eines leitenden Mitarbeiters des Gesundheitsministeriums auch an Medikamenten und Fahrzeugen, um die Gebiete aufzusuchen, in denen die Krankheit ausgebrochen ist. Blessing Chebundo, der Vorsitzende des Parlamentsausschusses für Gesundheit und das Wohlergehen von Kindern äußerte gegenüber dem UN-Informationsdienst, dass das Scheitern der Bemühungen um die Eindämmung der Krankheit ein Ausdruck des Niedergangs des gesamten öffentlichen Gesundheitssystems sei. Dieses Gesundheitssystem war früher eines der besten auf dem afrikanischen Kontinent. Seit Ende letzten Jahren sind mehrere Hundert Menschen an Cholera und Malaria gestorben. Den IRINnews-Bericht finden Sie unter:http://www.irinnews.org/report.asp?ReportID=53475


Zugang zu Trinkwasser hat sich in Simbabwe verschlechtert

Eine Untersuchung, die gemeinsam von UNICEF und Regierungsstellen in Simbabwe durchgeführt wurde, hat ergeben, dass sich der Zugang zu sauberem Trinkwasser deutlich verschlechtert hat. Wie die Tageszeitung "The Herald" vom 3. Mai 2006 berichtete, haben nur noch 60% der Bewohner der ländlichen Gebiete Simbabwes Zugang zu sauberem Trinkwasser, 1999 waren es noch mehr als 70% gewesen. Der Anteil der Menschen auf dem Lande, die über gesundheitlich unbedenkliche sanitäre Anlagen verfügen, beträgt sogar nur noch 40%. 1999 waren es noch 60%. Damit ist Simbabwe von der Erreichung der Millenniumsziele im Trinkwasser- und Sanitärbereich sehr weit entfernt.


Simbabwe: Höhere Gebühren zwingen zum Abbruch des Schulbesuchs

Die Regierung Simbabwes hat die Schulgebühren ab Mai 2006 um mehr als 1.000 Prozent erhöht. Dies ist bereits die zweite Erhöhung der Gebühren in diesem Jahr. Die Inflationsrate im Land hat mit offiziell 913% einen traurigen Rekord erreicht, die Preise für Grundnahrungsmittel und andere essenzielle Waren sollen sogar noch stärker gestiegen sein. Die Lohnsteigerungen sind weiter hinter der Inflationsrate zurückgeblieben. Unter diesen Umständen können immer weniger Eltern die Schulgebühren aufbringen. UNICEF-Sprecher James Elder erklärte kürzlich: "Die Kinder in Simbabwe gehören zu den Kindern auf der Welt, die mit dem schlimmsten Elend konfrontiert sind." Auch die Sekundarschulen sind davon betroffen, dass immer weniger Eltern die Schulgebühren bezahlen können. Einen Bericht zu diesem Thema finden Sie im Internet:http://www.irinnews.org/report.asp?ReportID=52742


Steigende Kosten für Patienten in Simbabwe

Die Kosten für ärztliche Behandlung sind in Simbabwe für Patienten, die bar zahlen, Anfang 2006 um 80 bis 110% gestiegen. In einem ausführlichen Bericht der in Harare erscheinenden Tageszeitung "The Herald" vom 6. Januar 2006 wird dargestellt, dass dies die Gesundheitsversorgung für die arme Bevölkerung noch unbezahlbarer macht. Angesichts einer Inflationsrate von 500% und stagnierenden Löhnen habe sich das Einkommen des armen Teils der Bevölkerung ohnehin drastisch vermindert. Eine Krankenversicherung sei unter diesen Umständen für viele unbezahlbar. Eine Familie mit drei Kindern, die vom Mindestlohn lebt, muss 30% des Einkommens für eine Basis-Krankenversicherung aufwenden, und dazu kommen noch Zuzahlungen bei einer Erkrankung. "The Herald" schreibt: "Viele Menschen sind schockiert durch die Kostensteigerungen und sagen, dass die jüngsten Erhöhungen viele dazu zwingen, zu Hause zu sterben oder die Hilfe geistlicher und traditioneller Heiler zu suchen."

Begründet werden die Erhöhungen der Arztkosten und der Krankenversicherungsbeiträge mit der hohen Inflationsrate und ebenso damit, dass die simbabwesche Währung gegenüber dem Dollar stark abgewertet ist, sodass importierte Geräte und Medikamente immer teurer werden. Die Vereinigung der niedergelassenen Allgemein- und Fachärzte empfiehlt ihren Mitgliedern ihre Gebühren für Konsultationen und Behandlungen um 200% zu erhöhen. Nach Recherchen der Zeitung wird diese Erhöhung von Ärzten in ärmeren Wohngebieten nicht in vollem Umfang umgesetzt, weil sie fürchten, dass sich dann niemand mehr eine Behandlung leisten kann. Es wird aber auch berichtet, dass viele Ärzte eine Behandlung auch in akuten Fällen verweigern, wenn nicht vorher eine Barzahlung der Gebühren erfolgt. Auf die Gebührenerhöhungen angesprochen, erklärte Gesundheitsminister Dr. David Parirenyatwa, dass ihm nicht bekannt sei, dass die Gebühren gestiegen seien.


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