Malawi

Malawi: Erfolge bei der Bekämpfung der Kindersterblichkeit

Malawi gehört zu den wenigen Ländern in Afrika, die gute Aussichten haben, die Kindersterblichkeit bis 2015 um zwei Drittel zu vermindern. Gegenwärtig sterben 94 von 1.000 lebend geborenen Kindern, bevor sie fünf Jahre alt werden. Vor einem Jahrzehnt waren es noch 146. Möglich wurde dieser Erfolg durch ein Bündel staatlicher Maßnahmen, die zum Teil mit Entwicklungshilfegeldern finanziert wurden. Ein entscheidender Schritt bestand darin, die Ausgaben für Basisgesundheitsprogramme deutlich zu erhöhen. Dies ermöglichte landesweite Impfprogramme für Kleinkinder, spezielle Programme für Kinder, die unter Unterernährung leiden, sowie die kostenlose Verteilung von mit Insektiziden besprühten Moskitonetzen für die Kleinkinder. Hinzu kommen Kurse für Mütter, denen vermittelt wird, was sie für die Gesundheit ihrer Kleinkinder tun können. Ein gravierendes Problem bleibt die Mangelernährung vieler Kleinkinder. 54% aller Todesfälle im Kleinkindalter habe ihre Ursache in Unterernährung. Weitere Informationen finden Sie in einem Beitrag von Inter Press Service:http://www.ipsnews.net/news.asp?idnews=35850

Mehr als die Hälfte der Bevölkerung Malawis lebt in Armut

Die Untersuchung "Poverty and Vulnerability Assessment" zeigt, dass die Menschen in Malawi heute noch genauso arm sind wie vor zehn Jahren. Die Untersuchung der malawischen Regierung und der Weltbank kommt zum Ergebnis, dass es sehr wenig oder gar keinen Fortschritt im Kampf für eine Verminderung von Armut und Ungleichheit gegeben hat. Die malawische Zeitung "Nation" berichtete am 1. Juni 2006, dass die Armut vor allem in den ländlichen Gebieten im Norden und Süden des Landes konzentriert sei, während es in der Zentralregion relativ weniger Armut gebe. Der UN-Informationsdienst IRINnews wies im Blick auf die Studie darauf hin, dass weiterhin mehr als die Hälfte der Bevölkerung Malawis mit weniger als umgerechnet 50 US-Cent am Tag leben muss und jeder fünfte Einwohner des Landes sogar nur über 20 US-Cent verfügt. Mit der Armut ist eine Mangelernährung verbunden, die vor allem Kinder in ihrer Entwicklung beeinträchtigt. 44% aller Kinder im Vorschulalter sind aufgrund dieser Mangelernährung in ihrem Wachstum zurückgeblieben. Die soziale Situation wird durch die zunehmende Ausbreitung von HIV/AIDS weiter verschlechtert. Die große Zahl der Erkrankten belastet auch das Gesundheitssystem, das ohnehin unzureichend ausgebaut ist. Laut Bericht von Regierung und Weltbank haben nur 31% aller Kommunen in Malawi einen Zugang zu einer Klinik. Der Ausbau des Gesundheitswesens und die Bekämpfung der Armut werden dadurch stark behindert, dass 35% des Staatsetats des Landes für Zinszahlungen aufgewendet werden müssen, wobei Kredite, die innerhalb des Landes aufgenommen wurden, die größte Bedeutung haben. Sie werden auch durch internationale Schuldenerlasse nicht vermindert.
Den IRINnews-Bericht finden Sie unter:http://www.irinnews.org/report.asp?ReportID=53688

Malawi hat gute Aussichten, einige der Millenniumsziele zu erreichen

In einem Interview stellte Michael Keating, der UNDP-Länderkoordinator in Malawi, Ende April 2006 dar, welche Aussichten das Land hat, die Millenniumsentwicklungsziele bis 2015 zu erreichen. Er äußerte sich positiv zu den Ergebnissen der Bemühungen von malawischer Regierung und internationaler Gemeinschaft, die Ernährungskrise in der zweiten Hälfte des Jahres 2005 und den ersten Monaten des Jahres 2006 zu meistern. Etwa 40% der Bevölkerung seien von Hunger bedroht gewesen, aber es sei durch die gemeinsamen Anstrengungen gelungen, eine Hungerkatastrophe zu verhindern. Im Blick auf die längerfristigen Perspektiven sagte der Fachmann des UN-Entwicklungsprogramms: "Längerfristig gesehen lässt sich eine Ernährungssicherung dadurch erreichen, dass ökonomisches Wachstum und Alternativen zur Abhängigkeit von Mais gefördert werden, so die Schaffung von Jobs in anderen Sektoren wie der Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte, der Kleinindustrie und dem Dienstleistungsbereich. Kurzfristig gehören die Diversifikation in der Landwirtschaft, die Verminderung der Abhängigkeit vom Regenfeldbau und die Verbesserung der Marketing- und Verkehrsinfrastruktur zu den Prioritäten." Michael Keating sagte in dem Interview weiter, dass Malawi auf gutem Wege sei, einige der MDGs zu erreichen, darunter die Verminderung der Kindersterblichkeit und den besseren Zugang zu sauberem Trinkwasser. Große Erfolge seien auch im Kampf gegen HIV/Aids erzielt worden. Demgegenüber sehe es im Blick auf andere Millenniumsziele schlechter aus. So habe Malawi weiterhin eine der höchsten Müttersterblichkeitsraten auf der Welt. Die Zahl der Grundschulkinder habe sich stark erhöht, aber die Qualität des Unterrichts sei weiterhin unzureichend und der Anteil der Kinder hoch, die vorzeitig die Schule verlassen würden. Auch die Reduzierung der Armut bleibe weiterhin ein gravierendes Problem. Eine nationale Untersuchung der Einkommensverhältnisse 2004/5 habe ergeben, dass 52,4% der Menschen in Armut leben. Bei einer Untersuchung im Jahre 1998 habe dieser Wert bei 65,3% gelegen, aber die Statistiken seien nicht miteinander vergleichbar. Andere Berechnungen ergäben, dass sich der Anteil der Bevölkerung, der in Armut lebt, von 1998 bis 2005 lediglich von 53,8% auf 52,4% vermindert hat. Michael Keating sagte weiter: "Der grundlegende Punkt ist, dass Malawi eines der ärmsten Länder in Afrika bleibt. Im Gegensatz zu vielen Nachbarländern hat Malawi das Glück gehabt, in den letzten Jahrzehnten von bewaffneten Konflikten verschont worden zu sein. Aber unter den Ländern Afrikas, die keine bewaffneten Konflikte erleben mussten, ist es das ärmste."
Das vollständige Interview finden Sie im Internet:
http://www.irinnews.org/report.asp?ReportID=52961


Ländliche Armut in Malawi

Obwohl sich die Maisernte im April 2006 gegenüber dem Vorjahr fast verdoppelt hat, bleibt die Armut in den ländlichen Gebieten eines der größten Probleme Malawis. Verbunden damit ist, dass das Land von einer stabilen Ernährungssicherheit noch weit entfernt ist. Etwa 56% der ländlichen Bevölkerung sind nach offiziellen Berechnungen arm, in den Städten beträgt der Anteil 25%. Landesweit gelten 22% der Bevölkerung als "extrem arm?. Sie können sich nicht einmal die Minimalmenge an Nahrungsmitteln leisten, die für ein gesundes Überleben erforderlich sind. Vor der jüngsten Ernte waren fünf der zwölf Millionen Einwohner Malawis auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen. Die Regierung stellt armen Bauernfamilien subventionierten Kunstdünger zur Verfügung, aber viele ländliche Bewohner können das Geld dafür nicht aufbringen. Andere sind gezwungen, den Dünger an reichere Bauern weiterzuverkaufen. Es wird gegenwärtig diskutiert, ob man den ärmsten Bauernfamilien den Kunstdünger kostenlos zur Verfügung stellt. Auch wird angestrebt, bessere Anbaumethoden zu vermitteln, eine Aufgabe, die bei einer Analphabetenrate von etwa 65% erschwert wird. Malawi verfügt über relativ große Wasserressourcen, die aber völlig unzureichend für die Landwirtschaft genutzt werden.
Die Nachrichtenagentur Inter Press Service hat einen Bericht zu dieser Thematik veröffentlicht:
http://www.ipsnews.net/news.asp?idnews=32443


Toiletten wichtig für die Erreichung der Millenniumsziele

Der malawische Wasserminister Sidik Mia hat angekündigt, dass die Regierung bis Mitte 2006 Pläne erarbeiten wird, um die sanitäre Situation entscheidend zu verbessern und auf diese Weise zur Erreichung der Millenniumsziele beizutragen. Wie die malawische Tageszeitung "The Chronicle Newspaper" am 20. Februar 2006 berichtete, sieht der Minister es als besonders wichtig an, die sanitären Standards in den Schulen zu verbessern. In Zusammenarbeit mit Organisationen wie UNICEF sollen bis 2015 alle Schulen über eine grundlegende Wasserversorgung und sanitäre Einrichtungen verfügen. Außerdem soll in den Schulen ein Hygieneunterricht eingeführt werden. Bisher verfügen nach Angaben des Ministers nur etwa 30% aller Schulen über angemessene Toiletten. Eine Verbesserung der Situation werde auch dazu beitragen, dass die Zahl der Mädchen sinkt, die die Schulen vorzeitig verlassen. Unzureichende oder fehlende sanitäre Einrichtungen sind ein Grund dafür, dass viele ältere Mädchen den Schulbesuch abbrechen.


Elf Orte in Malawi wollen rasch Millenniumsziele verwirklichen

In Zusammenarbeit mit dem UN-Entwicklungsprogramm UNDP soll in elf Ortschaften in Malawi exemplarisch gezeigt werden, wie sich die Millenniumsziele bis 2015 erreichen lassen. Einige Ziele sollen in diesen Orten in verschiedenen Regionen Malawis sogar bereits in den kommenden fünf Jahren erreicht werden. Um die wirtschaftliche Situation der 55.000 Bewohner zu verbessern, wird u.a. Kunstdünger für die Bauernfamilien zur Verfügung gestellt, ebenso Mais-Saatgut, das resistenter gegenüber Trockenheit ist als das übliche Saatgut. Weitere Maßnahmen sind Impfaktionen zur Eindämmung von Infektionskrankheiten, die Bereitstellung von Netzen zum Schutz gegen Malaria und der Bau von Brunnen zur Verbesserung der Wasserversorgung. Es soll auch die Nutzung natürlicher Düngungsformen gefördert werden, und vor allem sollen die Einzelmaßnahmen so aufeinander abgestimmt werden, dass sie eine Erreichung der Millenniumsziele ermöglichen. In jedem der Orte wurde ein Komitee gebildet, das den spezifischen Bedarf des Dorfes zur Erreichung der UN-Millenniumsziele identifiziert. Die aktive Beteiligung der Bevölkerung an den Entscheidungen und an der Verwirklichung der Programme wird als Grundlage für deren Erfolg angesehen. Je Einwohner werden 100 US-Dollar Entwicklungsgelder im Jahr zur Verfügung stehen. Die Mittel werden von der japanischen Regierung bereitgestellt. Begleitet wird die Initiative vom Earth Institute der Columbia University in den USA.
Einen Bericht zu diesem Programm finden Sie unter:
http://www.irinnews.org/report.asp?ReportID=51103&SelectRegion=Southern_Africa&SelectCountry=MALAWI


Situation der Kinder in Malawi

48% aller Kinder unter fünf Jahren in Malawi sind auf Grund unzureichender Ernährung in ihrem Wachstum gehemmt, berichtete UNICEF in einer Pressemitteilung vom 31. Januar 2006. Fünf Prozent leiden gravierend unter Mangelernährung und sind stark geschwächt, weitere 22% weisen ein Untergewicht auf und sind von Mangelernährung betroffen. Die lang anhaltende Dürre mit einer anschließenden Flut in den ersten Monaten des Jahres 2006 wird diese Situation noch verschlechtern. UNICEF geht davon aus, dass bis zum März 2006 eine Million Kinder unter fünf Jahren auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen sind. Zu der Krise tragen neben den ungünstige Wetterverhältnisse und einer schlechten Ernte auch die Ausbreitung von HIV/AIDS und Cholera bei. Nach UNICEF-Angaben leben schätzungsweise zwei Drittel der Einwohner Malawis unterhalb der Armutsgrenze.
Weitere Informationen in der UNICEF-Pressemitteilung: http://www.unicef.org/media/media_30847.html


Malawis Regierung will gegen häusliche Gewalt vorgehen

Angesichts der zunehmenden häuslichen Gewalt in Malawi hat sich die Regierung entschlossen, dem Parlament einen Gesetzesentwurf vorzulegen, der solche Taten unter Strafe stellt. Wie die Tageszeitung "Malawi Nation" am 24. Januar 2006 berichtete, sagte Justizminister Henry Phoya bei der Ankündigung des Gesetzes, dass häusliche Gewalt in der Kultur Malawis traditionell als Familienproblem angesehen würde, über das nichts nach außen dringen sollte. Das Gesetz soll nun dafür sorgen, dass die Opfer den Schutz der Regierung in Anspruch nehmen und sich an Gerichte wenden können.
In Erläuterung des Gesetzesentwurfs betonte Joyce Banda, die Ministerin für Gender, Wohlfahrt der Kinder und soziale Dienste, dass es eine Genugtuung für die Opfer sein werde, wenn die Täter hinter Schloss und Riegel kommen. Sie kündigte weitere Maßnahmen zur Sensibilisierung der Gesellschaft und zur Unterstützung von Opfern häuslicher Gewalt an: "Mein Ministerium hat ein Projekt ins Leben gerufen, das zum Ziel hat, in den drei Regionen des Landes Rehabilitationszentren zu errichten, in die die Frauen und Kinder aufgenommen werden. In diesen Zentren wird es eine umfassende Traumabehandlung für die Opfer von unterschiedlichen Formen der Misshandlung geben." Außerdem werde ein 24-Stunden-Telefonnotdienst für Opfer von häuslicher Gewalt aufgebaut, ebenso wird es eine Unterstützung der Frauen geben, die sich nach der Gewalterfahrung ein neues Leben aufbauen müssen. Dazu gehörten sowohl psychologische Beratungsangebote als auch Kredite oder Zuschüsse für den Aufbau einer eigenen Existenz.


Auch 2006 Hunger in Malawi

12.1.2006 Bis zur nächsten Ernte im April 2006 wird die Zahl der Menschen, die unter Nahrungsmittelmangel leiden, in Malawi auf mehr als 4,7 Millionen Menschen steigen. Darunter werden etwa 2,2 Millionen Kinder und Jugendliche sein. Zu diesem Ergebnis kam Ende 2005 das "Malawi Vulnerability Assessment Committee", in dem Regierungsstellen und Nichtregierungsorganisationen zusammenarbeiten. 2006 wird bereits das sechste Jahr sein, in dem Malawi unter einer Hungerkatastrophe leidet.
Als Hauptursachen werden von sozialen Organisationen lang anhaltende Dürreperioden und eine verfehlte Regierungspolitik angesehen. Mabvuto Bamusi, der Nationale Koordinator des "Malawi Economic Justice Network", plädiert für einen Ausbau der Bewässerungslandwirtschaft, die allein aber nicht ausreicht. Gegenüber der Nachrichtenagentur "Inter Press Service" sagte er im Dezember 2005: "Bewässerung allein ist nicht genug. Sie muss unterstützt werden durch eine umfassende Politik der Bereitstellung von Inputs wie Saatgut und Kunstdünger für die Bauern, bevor die Pflanzzeit beginnt. Bisher ist die Regierungsplanung desaströs gewesen."
Die Regierung hat angek¸ndigt, die Investionen in Bew 0sserungs- und Staudammprojekte zu erhöhen. Nur mit einer deutlich höheren landwirtschaftlichen Produktion werde es möglich sein, das angestrebte Wirtschaftswachstum von 8,2% im Jahr zu erreichen. Zu den positiven Entwicklungen gehört es, dass es der Regierung unter Pr 0sident Bingu wa Mutharika gelungen ist, die Beziehungen zu internationalen Finanzierungsorganisationen wie dem Internationalen W 0hrungsfonds und L 0ndern, die Entwicklungsgelder vergeben, deutlich zu verbessern. Unter der Vorg 0ngerregierung war die Hilfe wegen Korruption und nicht verantwortungsbewusster Verwendung von Mitteln eingefroren worden.
Für Millionen Menschen, die an Hunger oder Mangelernährung leiden, stehen kurzfristige Maßnahmen zur Sicherung des Überlebens im Mittelpunkt. Sie müssen auf eine Ausweitung der Hilfe des "World Food Programme" der Vereinten Nationen und darauf hoffen, dass die Hilfskonvois trotz schlechter Straßenverhältnisse ihre Dörfer erreichen. Auf den Märkten sind Mais und andere Grundnahrungsmittel so teuer geworden, dass ärmere Familien sie sich nicht leisten können.
Weitere Informationen unter: http://www.ipsnews.net/news.asp?idnews=31581


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