Die Millenniums-Entwicklungsziele
im Südlichen Afrika



Lesotho

Ziel 8: Aufbau einer weltweiten Entwicklungspartnerschaft

Mit 16 Telefonanschlüssen und 47 Mobiltelefonen auf 1.000 Einwohner (2003) weist Lesotho relativ gute Werte auf, allerdings gibt es große regionale Unterschiede. Die internationale Förderung des IT-Bereichs ist gerade in dem dicht besiedelten Lesotho mit hoher Arbeitslosigkeit und geringen natürlichen Reichtümern von großer Bedeutung.

Als kleiner Binnenstaat mit niedrigem Prokopfeinkommen hat Lesotho besondere Probleme, eigene Produkte auf dem Weltmarkt zu verkaufen. Um so erfreulicher erschien es, dass in den letzten Jahren eine ganze Reihe von Textilfabriken in Lesotho eröffnet wurden, meist von taiwanesischen Geschäftsleuten. Zeitweise waren 56.000 Beschäftigte in den Fabriken angestellt. Die Textilbranche sorgte für 15% des Bruttosozialprodukts und war der wichtigste Exportbereich. Die Branche profitierte davon, dass Lesotho sowohl von der EU als auch von den USA bevorzugte Textilexportmöglichkeiten erhalten hatte, während asiatische Länder wie China mit Exportkontingenten leben mussten.

Das Auslaufen des bevorzugten Zugangs zu den europäischen und nordamerikanischen Märkten Ende 2005 löste eine Krise in der Textilbranche Lesothos aus. Sechs Fabriken eröffneten nach dem Ende der Weihnachts- und Neujahrsferien nicht wieder, sodass die 7.000 Beschäftigten um ihre Arbeitsplätze bangen mussten. Die Regierung versuchte, die Eigentümer der Betriebe mit Exportsubventionen dazu zu bewegen, ihre Tätigkeit wieder aufzunehmen. Die Abwertung des Dollars gegenüber dem südafrikanischen Rand (an den die Währung Lesothos gebunden ist) machte die Exporte noch teurer. So gingen binnen weniger Monate fast 10.000 Arbeitsplätze in den Textilfabriken verloren. In dieser Situation waren die Firmen Mitte 2005 nur zu Lohnerhöhungen von 3,5% bereit, während die Inflation bei 5,5% lag. Die Arbeiterinnen und Arbeiter drohten mit Streik, aber ihre Verhandlungsposition war angesichts der hohen Arbeitslosigkeit und der drohenden Schließung weiterer Fabriken schwach. So ist zu befürchten, dass die Verarmung der Bevölkerung Lesothos in einem gnadenlosen internationalen Wettbewerb weiter zunehmen wird. Die südafrikanische Zeitung "The Star" stellte das Schicksal einer der entlassenen Textilarbeiterinnen Ende April 2005 so dar:

"Als der chinesische Arbeitgeber von Lisebo Tsebo abrupt seine Fabrik schloss und verschwand, ohne die Löhne auszuzahlen, versuchte sie, sich das Leben zu nehmen und trank eine Mischung aus Insektiziden und Rattengift ... Als die Chinesen ankamen, musste Tsebo nicht weiterhin den Müll nach Lebensmitteln durchsuchen, um ihren zwei Kindern, vier Kindern aus der Verwandtschaft und ihrem Mann etwas zu Essen zu beschaffen. Zwar konnte sie es sich auch danach nicht leisten, ihre Kinder auf die Schule zu schicken, aber ihr Lohn war hoch genug, um einen Sack Mais zu kaufen und die Familie bis zur nächsten Lohnzahlung durchzubringen. Nun muss sie zu den Mülldeponien zurückkehren."

2003 erhielt Lesotho 5,5 Millionen Euro deutscher Entwicklungshilfe, 2,65 Euro je Einwohner. Von den drei Binnenstaaten im Süden Afrikas (Botswana, Lesotho, Swasiland) ist dies die höchste Prokopfsumme. Aus EU-Mitteln erhielt Lesotho 2003 20,9 Millionen Euro Hilfe. Die gesamten Entwicklungsgelder betrugen 2002 76,4 Millionen Dollar, 42,5 Dollar je Einwohner. Es besteht ein deutlicher Abwärtstrend, wozu beitrug, dass viele Entwicklungsorganisationen ihre regionalen Büros nach dem Ende der Apartheid von Maseru nach Pretoria verlegt haben.

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